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13 Juni 2005

 
Thunderstruck
 
Auf Nachfrage erscheint diese kleine Geschichte nun auch an dieser Stelle:

In Hyderabad spuere ich mittlerweile das Ende der Trockenzeit nahen. Es wird kaelter (jetzt nur noch manchmal 35 Grad, brrrrrr) und auch feuchter. Damit wird's zwar keineswegs angenehmer, aber immerhin passiert mal was... Nun ja, so langweilig ist es hier nun auch wieder nicht, als dass der Wechsel zum Monsun die groesste Attraktion waere. Aber ich haette nie im Leben gedacht, dass man sich so ueber Regen freuen kann...

Ich habe gestern Abend etwas gemacht, wovor einen die Eltern und auch Physiklehrer, ja eigentlich jeder mit ein wenig Verstand, immer gewarnt haben: Ich habe auf dem Dach unseres Hauses das herannahende Gewitter empfangen. Ganz oben auf dem Wassertank, 7 Stockwerke ueber Hyd, unter einem atemberaubenden, flackernden Himmel und neben einem Franzosen, der genauso bescheuert ist, wie ich...

Nach den letzten, glutheissen Tagen waren die auffrischenden Windboeen aus noerdlicher Richtung wie eine Erloesung. Dazu das Flackern von fernen Blitzen hinter einem Wolkenvorhang, dann mehr Wind, die ersten kleinen Tropfen, ein Flugzeug, das permanent Schleifen fliegt, auf der anderen Seite des Sees landet, durchstartet, wieder abhebt und jedes Mal in nur 100m Hoehe ueber unsere Koepfe hinwegduest. Mehr Wind, die ersten Blitze zeigen sich in vollen Konturen, kommen naeher, ein Grollen erst, dann Donner und noch mehr Wind. Der Platz auf dem Wassertank ist ideal, um 'geflasht' zu werden, ruft mir Remy ins Ohr, waehrend der Donner von Norden heranrollt und das Flugzeug seine mittlerweile 5. Runde fliegt. Dann Blitze auf voller Breitseite, mehrere Einschlaege in Secunderabad (dem Stadtteil noerdlich des Sees), noch 5 Kilometer zwischen uns und der Gewitterfront. Dann ploetzlich ein Platzregen - die langersehnte Erloesung ist da! In nicht einmal einer Minute sind wir schon klitschnass und frieren uns den Arsch ab. Das Flugzeug fliegt seine 6. Runde ueber uns hinweg und es wird wohl die letzte Trainingseinheit sein, denn das Gewitter hat mittlerweile schon fast den Flughafen erreicht... Dann wieder ein Einschlag. Diesmal sued-westlich des Rajiv Gandhi Airports, ungefaehr da, wo das Satyam City Center steht, mein Arbeitsplatz... Und ein paar Lichter auf der anderen Seite des Sees erloeschen. Remy zaehlt die Sekunden zwischen Blitz und Donner und kommt zu dem Schluss, dass der uebernaechste Blitz schon in den Birla-Tempel, 300m von uns entfernt und ein wenig hoeher gelegen, einschlagen koennte. Der Folgende wuerde dann mit Sicherheit uns grillen und damit war der fluchtartige Abstieg beschlossene Sache. Auf der Leiter hatten wir jedoch einige Probleme angesichts des Sturms, so dass die Zigaretten und diverses anderes Zeug jetzt in Nachbars Garten liegen (oder sogar 2-3 Gaerten weiter). Als ich die Haelfte der Leiter erreicht hatte, konnte ich ein komisches Kribbeln auf der Haut spueren und ich wusste, jetzt wird etwas ganz Grosses kommen. Der Einschlag des Blitzes hat mich dann von der Leiter gerissen und quer ueber die ganze Dachterrasse geschleudert. Als Remy und ich unser Bewusstsein wiedererlangt hatten, trat eine blauhaeutige Gestalt mit 4 Armen aus dem Rauch heraus - Krishna!

Auf seiner Floete hat er 'Thunderstruck' von AC/DC gespielt und dabei so komisch gegrinst, wie es sonst nur Martin, mein Stubenmithaeftling macht. Er kam auf mich zu und schuettelt mich mit der unteren Haelfte seiner Arme bis ich wieder den Deckenventilator sehe... Komisch, Krishna ist jetzt weiss statt blau und traegt Boxershorts, hat blondes Haar und hat nur noch halb so viele Arme wie zuvor...
 

posted by Orang-Utan-Alex @ 22:54

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