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08 Juni 2005
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Das Biotop "Grossraumbuero"
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Der Lebensraum "Grossraumbuero" (im Folgenden "GRB" genannt) unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von anderen uns bekannten Biotopen. Auf den ersten Blick ist bereits festzustellen, dass es sich hierbei um eine kuenstliche, von Menschenhand geschaffene Umwelt handelt. Auch faellt bereits bei einer oberflaechlichen Betrachtung das rechtwinklige Muster der Parzellierung auf, das das GRB in nahezu identische Teilbereiche gliedert und eine hoehere Populationsdichte ermoeglicht. Dieses Prinzip sichert aber auch jedem Bewohner ein Mindestmass an Bewegungsfreiheit und Lufthoheit zu. Zur Wahrung einer ebenso nur im Mindestmass vorhandenen Privatsphaere besitzen die Parzellen (auch Cubicle genannt) einen kleinen Sichtschutz, der im Normalfall nur bis kurz ueber Augenhoehe reicht und somit den Bewohner des GRB vor allzu ueberraschenden Kontakten mit dem Alphatier der Gruppe bewahrt. Die klimatischen Verhaeltnisse des GRB sind ebenso bemerkenswert wenn nicht gar einzigartig. Dieser Lebensraum kennt keine Jahreszeiten. Das Klima wird durch eine sog. Klimaanlage kontrolliert, die die Temperatur auf einem konstanten Mass von 22 Grad Celsius haelt.
Sehr wohl kennt das GRB jedoch Tageszeiten. In den verschiedenen Phasen des Werktages besitzt das GRB einen jeweils eigenen Charakter, der sich vor allem in der Populationsdichte und den damit verbundenen Emissionen (Laermpegel, Entgasungen, Druckquote) niederschlaegt. Die folgende Auflistung stellt die entsprechenden Zeitraeume dar:0700-0900: Population: 10 In der GRB-Daemmerungsphase sind vor allem die Spezies der Reinigungsfachkraefte und Floor Attendees aktiv. Sie stehen am Anfang der Nahrungskette. 0900-1300: Population: bis 100 Gegen Ende der fruehen Hauptphase der Aktivitaet erreicht die Population das Maximum. In dieser Phase bevoelkern von allem die Spezies der Executives, Manager, Seniors und VicePresidents den Lebensraum. Diese sind in der genannten Reihenfolge auch in der Nahrungskette anzutreffen, wobei der VicePresident bzw. der Assistant VicePresident das Ende der selben darstellen.
1300-1430: Population: 30 Der Populationsrueckgang kann durch die Nahrungssuche in anderen Biotopen, wie beispielsweise der Kantine, erklaert werden. Genauere Beobachtungen zu diesem Sachverhalt muessen jedoch noch unternommen werden, um ein abschliessendes Urteil hinsichtlich der Nahrungsvorkommen bilden zu koennen.
1430-1900: Pop. 100 In dieser spaeten Hauptphase achten die Bewohner des GRB vor allem auf die Durchfuehrung der ihnen zugeteilten Aufgaben und Taetigkeiten. Gegen Ende der spaeten Hauptphase verlassen bereits einige Bewohner das Biotop und beenden die temporaere Symbiose mit der am zweithaeuftigsten Spezies, der Windows-Dose.
1900-2100: Pop 50 Diese Schlussphase ist von einem niedrigen Emissionspegel gekennzeichnet. Akustische und olfaktorische Emissionen sind selbst fuer die Zahl an verbleibenden Bewohnern noch als relativ niedrig einzustufen. Dies mag mit nachlassendem Komunikationsbedarf und dem Fortschritt der mittleren Verdauungstaetigkeit zusammenhaengen, ist jedoch bisher nicht stichhaltig belegt worden. Gegen Ende der Schlussphase sind nur noch vereinzelte Exemplare der verschiedenen, tagaktiven Spezies anzutreffen.
Das GRB bietet dem aufmerksamen Beobachter eine Fuelle von interessanten, bisweilen auch skurrilen, Situationen. Die verschiedenen Spezies mit den ihnen eigenen Verhaltensmustern sind hierfuer der ausschlaggebende Faktor.
Wer bewohnt das GRB? Diese Frage scheint, oberflaechlich betrachtet, leicht zu beantworten, stellt jedoch selbst im Feld erfahrene Experten vor einige tief greifende Probleme, die aber Gegenstand einer zukuenftigen Untersuchung sein werden. Im Augenblick wollen wir uns vorerst mit einem ersten Versuch der Klassifizierung und Beschreibung der heimischen Arten begnügen: - Der Hacker
- Der Popler
- Das Stinktier
- Das Erdmaennchen
- Der Beisser
Der Hacker faellt im Alltag durch intensive Kommunikation mit seinem Symbionten, dem Desktop-PC auf. Diese Kommunikation dient dem Hacker aber nicht nur des Informationstransfers, sondern vor allem des Aggressionsabbaus. Durch intensives, kraftvolles Anschlagen der Tasten verursacht der Hacker die staerksten Emissionen im nonverbalen Bereich. Der Popler ist eine weit verbreitete und friedfertige Spezies. Er geht gedankenverloren seinem Tagewerk nach und fuehlt sich in der Regel unbeobachtet, wobei er stetig die Nasenschleimhaeute von diversen festsitzenden Partikeln, im Volksmund auch Popel genannt, befreit. Dies erfordert hoechste Konzentration bei gleichzeiter vollkommener Entspannung. Ein Zustand, der nicht leicht zu erreichen ist, weshalb der erfahrene Popler zu den am meisten respektierten Individuen im Biotop des GRB zaehlt.
Das Stinktier hingegen ist der am wenigsten geschaetzte Bewohner des GRBs. Es wird von den anderen Spezies so weit wie moeglich gemieden, da es schlicht und einfach die verdammte Luft verpestet!!! Gluecklicherweise ist die Luftzirkulation innerhalb des Biotops durch die Klimaanlage gewaehrleistet, so dass eine kontaminierte Stinktierzone recht bald nach Verlassen des Stinktiers wieder nutzbar ist.
Das Erdmaennchen ist neugierig und hat ausserdem nicht viel zu tun, weshalb es genug Zeit findet, seinen Hals zu strecken, ueber die Sichtblenden seines cubicles zu schauen und den Blick ueber ein Meer aus Frisuren, Glatzen und Halbglatzen schweifen zu lassen. Jede der anderen Spezies schaetzt sich gluecklich, ein Erdmaennchen in seiner Naehe zu haben. Es warnt vor dem Herannahen des Alphatiers mit einem kurzen, scharfen Pfiff und zieht sich anschliessend wieder in den Cubicle zurueck um mit dem Symbionten eine Scheinbeziehung einzugehen, die einzig und allein den Zweck erfuellt, das Alphatier in die Irre zu fuehren.

 Samuel - ein Erdmaennchen
Der Beisser schliesslich ist rein oberflaechlich betrachtet dem Popler sehr aehnlich. Aber der Schein truegt. Der Popler ist ein entspannter Zeitgenosse, der seiner Lieblingsbeschaeftigung mit einer gewissen Ruhe nachkommen muss, um sich nicht selbst zu verletzen, wohingegen der Beisser in der Regel ein sehr hektischer und angespannter Biotopbewohner ist. Zu erkennen ist er sehr einfach an den meist unaesthetisch gekuerzten Krallen. Da der Beisser im GRB keine natuerliche Gelegenheit mehr findet, seine Krallen zu wetzen (an Moebeln, Wetzsteinen, oder an Beute), ist er der Unsitte des Krallenkauens verfallen. Er ist nicht so beliebt wie der Popler, was eventuell mit dem Produkt seiner Taetigkeit zusammmenhaengen koennte. Es liegt nahe, dass der Beisser weniger soziale Anerkennung geniesst, weil die abgeknabberten Krallen auf dem GRB-Teppich eher ins Auge stechen als die farblich besser angepassten Kruemel des Poplers. Diese Hypothese konnte jedoch bislang nicht durch signifikante Ergebnisse gestuetzt werden, was auf Schwierigkeiten beim Experiment-Design zurueckzufuehren ist. Ein Hawthorne-Effekt konnte zwar durch einen modifizierten Versuchsaufbau eliminiert werden, jedoch ist die Objektivitaet der Ergebnisse durch die Auswahl der Beobachter stark eingeschraenkt...
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| posted by Orang-Utan-Alex
@ 18:00
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At 11 Juni, 2005 21:30,
Anonym said…
Nice blog, see you on internet.
Jalberto, :)